Aus der Geschichte der Raabe-Apotheke in Eschershausen
Man weiß, daß bis 1760 weder ein Arzt noch ein Apotheker
in Eschershausen ansässig waren. Im Generalbericht des Flecken
Eschershausen von 1760 heißt es: "In
Eschershausen ist keine Apotheke und Medicus vorhanden. Die Einwohner
bedienen sich der Apotheke zu Stadtoldendorf und des Medici daselbst,
welcher als verordneter Physicus diesen Ort mit respicirt. Es wird zur
Aufnahme hiesigen Orts gereichen, wenn gnädigst verstattet wird,
daß hier eine Apotheke sei. Die Einwohner der
Wickenser-Niederen-Börde und die vor dem Ide und Hilse in der
Oberen-Börde wohnen, gehen mehr nach den Apotheken zu Bodenwerder
und Alfeld als nach der nach Stadtoldendorf, weil jene näher sind;
es wird also der Stadtoldendorfer Apotheke keinen Nachteil bringen, wenn
allhier eine Apotheke ist, hingegen wird den Einwohnern der
Ober- und Niederbörde, insonderheit aber denen hier eingepfarrten
vier Dorfschaften und dene passierenden Fremden sehr damit dedient sein.
Wenn ein Apotheker, der sich hier anzubauen, selbst zu etablieren, anbey
mit Gewürz und fetten Waren zu handeln willens und vermögend
wäre, gnädigster Cocession dazu erhielte, würde derselbe
füglich von solcher Nahrung subsistieren. Die Apotheke könnte
zuerst unter der Aufsicht des Physicus zu Stadtoldendorf stehen".
Nach Ende des Siebenjährigen Krieges, im Jahr 1765 wurde dann
die Apotheke gebaut. Sie war seinerzeit in jenem Gebäude, in dem
sie sich bis 1973 befand. Im gleichen Jahr, 1765, hat Herzog Carl I. die
Geehmigung zur Errichtung der Apotheke erteilt. Im Einwohnerverzeichnis
des Jahres 1766 wird zum erstem Mal der Apotheker Braun aufgeführt.
Sein Haus trägt die Assekuranz-Versicherungsnummer 111
(Raabestraße 2). über diesen Apotheker Braun wird im
Generalbericht des Jahres 1769 noch berichtet: "
Der Apotheker Braun hat seine Apotheke in gutem Stand und
mäßige Nahrung; diese würde stärker seyn, wenn die
Leute zu dem Physico Hoffmann mehr Vertrauen hätten oder der
Apotheker Braun dispensieren dürfte, wenn die Leute die Anweisung
sich an den Doctor zu vorderst zu wenden, damit beantworten, daß
sie lieber nach Alfeld gehen wollten; also auch das Geld wirklich
außer Landes tragen".
Seit 1767 erhält Braun, der mit seiner Apotheke seine Familie nicht ernähren konnte, die Konzession zum Verkauf von Branntwein. Diese "Medizin" scheint recht gut gegangen zu sein, denn innerhalb von sechs Jahren har er sechs Fässer dieser "Medizin" verkauft. Nach Brauns Tod wird die Apotheke in das Haus Nr. 1 (jetzt Steinweg 1) verlegt. Apotheker war hier Theophil Hardt. Er war nebenbei auch noch Posthalter der preußischen Post der Strecke von Paderborn nach Hildesheim.
Die Witwe des Apothekers Braun hatte inzwischen das Haus in der jetzigen Raabestr. 2 an Dr. Eicke verkauft. Dr. Eicke war damals Assistent an der Universität Jena und begleitete als Arzt Schiller auf seiner Reise von Jena nach Karlsbad. Von 1807 bis 1862 hat Dr. Eicke das Apothekengebäude in der Raabestr.2 bewohnt.
Seit 1812 erwarb der Apotheker Johann Friedrich Schulze das Haus
Marktplatz 3 und betrieb dort seit 1824 seine Apotheke. In den
Braunschweigischen Anzeigen des Jahres 1831 wird im Januar unter der
Nummer 49 ein Kaufkontrakt bestätigt, wonach der Apotheker Johann
Friedrich Schulze das Haus ass. 46 zu Eschershausen
"und die mit diesem Grundstück verbundenen Rechte als
Brauerei- und Reiheholzberechtigung ferner sämtliche
Apothekergerätschaften, Medicamente und Waaren"
an den
Apotheker Anton Friedrich Horn aus Gronau verkauft. Drei Jahre lang
wirkt Horn in Eschershausen als Apotheker, ehe er die Apotheke an August
Kubel übergibt. Von 1835 bis 1876 arbeitet August Kubel als
Apotheker in Eschershausen. Im Jahr 1864 kauft er das Haus des
verstorbenen Medizinalrates Dr. Eicke und verlegt die Apotheke hundert
Jahre nach ihrer Gründung wieder in das Gebäude, in dem sie
ursprünglich gewesen war. Ein Sohn August Kubels, der
Schriftsteller Ludwig Kubel, schildert in seinem Roman "Die
Apotheke zu Angerbeck" anschaulich die lokalen Ereignisse. Er
beschreibt die Apotheke, ihre Keller, Einrichtung und
Gerätschaften, die bis in die fünfziger Jahre dieses
Jahrhunderts noch in gebrauch waren, dann aber leider der Modernisierung
zum Opfer fallen mußten. Auch hier ist von Geldsorgen und
mangelndem Umsatz die rede, in die "Onkel Tobias" durch
ungetreue und unfähige Gehilfen, auf die er wegen Alter und
schwerer Krankheit angewiesen, geraten war. Diese machten ihm schwer zu
schaffen, bis sein Neffe sich in "Onkel Tobias" Haustochter
verliebt un nun mit jugendlichem Elan den Apothekerbetrieb wieder in
Schwung bringt. - Zu diesem Aufschwung mag auch die Entdeckung des
Asphalts und die anschließende Industrialisierung nicht
unwesentlich beigetragen haben. - Apotheker Kubel hat als erster das
Bitumen beim erhitzen ausscheidenden Steinen erkannt.
Von 1876 bis 1902 war Constantin Cruse und danach bis 1908 Oskar
Apfel in Eschershausen tätig. Ihm folgte von 1909 bis 1933 Erich
Cruse, ein Neffe Constantin Cruses. Mit Constantin Cruse beginnen die
Umbauten und die Modernisierungen des Apothekenbetriebes. Bei einem
späteren Umbau fand man in einer Wand einen Behälter mit einem
Schreiben Constantin Cruses. Darin heißt es:
"Eschershausen, den 21.Juli 1894 - im Besitz dieses Hauses, in dem
das Apothkengeschäft (Concession) betrieben wird, ist zur Zeit der
Apotheker Constantin Cruse, gebürtig aus Schöningen alt 47
Jahr. Die Übernahme des Geschäftes von ihm erfolgte am 6.
October 1876. Vorgänger von ihm war der im April des gleichen
Jahres verstorbene Apotheker August Kubel. Das Geschäft war von den
Administaten Letin für die Witwe während der zwischenzeit
verwaltet. Übernahmepreis incl. aller Vorräthe soweit sie zum
Betrieb der Apotheke gehören 21000,00 Mark. Das
Apothekengeschäft ist von dem Apotheker Kubel, nach dem Tode des
Medicinalraths Eicke, der über 90 jahre alt wurde und 3 Frauen
gehabt hat, als erstem besitzer dieses Hauses auf einem Grundstücke
am Markte, dass der Kubel an Sattler Prahmann verkaufte, hierher
verlegt. Gebaut wurde dieses Haus von einem Apotheker Namens Theophilus
Hardtam Anfang dieses Jahrhunderts.
[Anmerkung von A. Roschewitz:
Hier irrt sich C. Cruse] Der Hardt war auch
Eigentümer des später Schüttechen Hoffes und war dort
früher die Apotheke. Zwischen Hardt und Kubel war noch ein
Apotheker Braun. Der Hardt überlies dieses Haus dem Medizinalrath
Eicke dessen erste Frau eine Tochter des Hardt war, wahrscheinlich als
Heirathsgut. Zur Zeit des Eicke der Arzt war, gab es erst wieder in
Hameln und Höxter einen Collegen von diesem, alle anderen Orte
entbehrten der Ärzte. Behufs Renovierung dieser Wand Unterfangung
durch einen Eichenbalken wird diese Gelegenheit benutzt diesen
Zwischenraum dazu verwenden dieses Dokument darin einzuschließen
um späteren Generationen Mittheilung zu machen von den heutigen
Verhältnissen. Außer dem oben angeführten jetzigen
Besitzer bewohnen dieses Haus augenblicklich dessen Ehefrau Luise Cruse
geborene Freytag Tochter des verstorbenen Oberförster Freytag zu
Lesere bei Braunschweig alt 38 Jahre verheiratet jetzt 17 Jahre jedoch
noch kinderlos. Ferner der Apotheker Erich Cruse Neffe des Constantin
Cruse gleichfalls wie sein Onkel gebürtig aus Schöningen alt
33 Jahre. Derselbe ist als Gehilfe imGeschäfte. Erich Cruse führt
unter vielen Spitznamen auch den Namen Molch herrührend von seinem
Interesse an Molchen, Schlangen, Fröschen etc. schließlich
Johanne Henke Dienstmagd gebürtig aus Holzen am rothen Stein alt 45
Jahre. Johanne Henke war zu Ostern dieses Jahres 25 Jahre als Magd in
der hiesigen Apotheke und hat zu dieser Zeit seitens der Herzogl.
[Anmerkung von A. Roschewitz: das nächste Wort ist unleserlich]
Holzminden als Anerkennung für diese treue Dienstzeit
eine öffentliche lobende Anerkennung und eine Geldspende erhalten.
"
"Bald geht es weiter!" Schauen Sie einfach in den
nächsten Tagen wieder vorbei
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